Ulrich Kroiunigg, Professor am Wiener Institut fuer medizinische Psychologie, hat ueber heimlich vergossene Traenen geforscht. Ergebnis: Fast jeder zweite berufstaetige Mensch hat schon mal aus Gekraenktheit, Aerger, Ohnmacht oder Zorn am Arbeitsplatz geheult. Weitere Gruende: wegen einer intriganten Kollegin, aus Ueberlastung oder aus Ruehrung. Den meisten Menschen ist das Weinen vor anderen Menschen sehr peinlich. Sie fuehlen sich beschaemt, klein, schwach, entbloesst und dumm.

Tabus sind - seiner Ansicht nach - nicht grundsaetzlich schlecht oder gut, sie veraendern nur ihre Sinnhaftigkeit in einer sich wandelnden Gesellschaft. Wer kennt nicht die Aussage "Indianer weinen nicht" oder "Indianer wuerden kenen Schmerz kennen"?

 

Kropiunigg hat sich auch in Krankenhaeusern umgehoert und festgestellt. Dass viele Aerzte und Schwestern heimlich weinen. Nicht waehrend einer Reanimation, sondern nachher. Nicht, wenn Sie schreckliche Befunde erklaeren muessen, sondern nachher. Nur bei der Sterbebegleitung lassen auch harte Knochen Traenen vor den Betroffenen zu.

Die scheinbar so emotionalfreie Zone eines Spitals oder Krankenhauses entpuppt sich bei naeherer Betrachtung als hochemotionaler Ort.

Aber: Man will unter (vor allem maennlichen) Aerzten nicht erwischt werden bei soviel Mitgefuehl. Nur selten gibt es Teams, die Traenen und Trauer gleich zulassen, ausleben und verarbeiten koennen, in verbaler wie nonverbaler Art und Weise.

Ausgenommen sind Friedhoefe bzw Begraebnisse, denn das sind Zeiten und Orte, wo Traenen erwartet und erwuenscht werden (auch wenn es keine ehrlichen und echt gemeinten Traenen sind).

Seine Aufforderung an die Menschen lautet: Seit sensibler, wenn fallweise Traenen fliesen! Weinen ist eine Chance und ein wirksames Heilmittel. Auch die Menschen, die meinen, dass Sie Traenen nicht noetig haben, sollten sich nicht mehr ueberlegen fuehlen muessen. Denn wer starke Emotionen verbietet, wird nie Erfahren, was andere wirklich denken und fuehlen. Wenn wir aufhoeren, einander uns unsere Gefuehle mitzuteilen, zu erleben als auch erlebbar zu machen, werden wir allle in sozialen und gesundheitlichen Katastrophen enden. Emotionaler Krüppel ist noch die Harmloseste  Beschreibung einer solchen.

 
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